{"id":1873,"date":"2010-10-04T11:58:38","date_gmt":"2010-10-04T10:58:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.area97.de\/ofi\/?p=1873"},"modified":"2010-10-04T12:09:24","modified_gmt":"2010-10-04T11:09:24","slug":"demo-erhalt-der-fankultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.area97.de\/ofi\/?p=1873","title":{"rendered":"Demo &#8218;Erhalt der Fankultur&#8216;"},"content":{"rendered":"<p>Auch aus Oldenburg werden wir gen Berlin reisen. Treffpunkt ist am Samstagmorgen um 4:45 am Hauptbahnhof Oldenburg. Im Folgenden ist der offizielle Aufruf dazu dokumentiert. Sei dabei!<\/p>\n<h2><strong>ZUM ERHALT DER FANKULTUR<\/strong><\/h2>\n<h3><strong>Demonstration am 09. Oktober 2010 in Berlin<\/strong><\/h3>\n<p><strong>Treffpunkt <\/strong>13.00 Weltzeituhr am Alexanderplatz | Er\u00f6ffnungskundgebung 14.00 Uhr<br \/>\n<strong>Organisatoren:<\/strong> Fan- und Ultraszenen aus Deutschland; ProFans (<a href=\"http:\/\/www.profans.de\/\">www.profans.de<\/a>); BAFF (<a href=\"http:\/\/\/\">www.aktive-fans.de<\/a>); Unsere Kurve (<a href=\"http:\/\/www.unserekurve.de\/\">www.unserekurve.de<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Warum jetzt eine Demo f\u00fcr Fankultur?<\/strong><br \/>\nJeder, der sich etwas regelm\u00e4\u00dfiger mit Fu\u00dfball in Deutschland  auseinandersetzt, wird in der letzten Saison zahlreiche Horrormeldungen  aus den Medien vernommen haben, die von einer Eskalation in den  Fanszenen berichteten. Zeitweilig schienen sich die Schlagzeilen zu  \u00fcberschlagen. Und w\u00e4hrend die halbe Nation \u00fcber die Vorf\u00e4lle von Bochum  (N\u00fcrnbergfans durch Pyrotechnik verletzt), Berlin (Platzsturm) oder  anderswo debattierte, meldeten viele Fanszenen Stadionverbotswellen:  N\u00fcrnberg, Hertha, M\u00fcnchen, Hamburg, K\u00f6ln, Hannover, Bielefeld und einige  mehr. Es gab Strafen, die bislang im deutschen Profifu\u00dfball ein Novum  darstellten: Verbote von Ausw\u00e4rtsfahrten (N\u00fcrnberg, K\u00f6ln, Rostock,  Dresden) oder die Schlie\u00dfung einer Heimkurve (Hertha, Bochum). F\u00fcr das  Vergehen einiger weniger wurden ganze Fanszenen bestraft. Vermehrt  wurden Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Fans diskutiert und teilweise umgesetzt:  personalisierte Tickets, Verbote von Fanutensilien und Choreographien,  Verbote eigener Fanzines und so weiter. Dies alles sind Strafen, die  kein Konzept der Pr\u00e4vention f\u00fcr k\u00fcnftige Zwischenf\u00e4lle vorweisen und die  in der gro\u00dfen Mehrheit v\u00f6llig unbeteiligte, friedliche Fu\u00dfballfans  treffen.<\/p>\n<p>Wie sahen die Reaktionen der Fangruppen aus? Wenn  \u00fcberhaupt, dann gab es kleinere Aktionen (z.B. in Form von  Spruchb\u00e4ndern) in den einzelnen Kurven selbst. Aber passierte  irgendetwas von mehreren Kurven zusammen? Eine tats\u00e4chliche  Fangruppen\u00fcbergreifende Aktion, die \u00f6ffentlich antwortet, Vorw\u00fcrfe  kommentiert und evtl. richtig stellt, die zeigt was Fankultur neben  einigen Negativschlagzeilen in der Regel Positives ausmacht, so etwas  hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Daher ist nun, nach dem  Chaos der letzten Saison und dem abgeklungenen Fu\u00dfballboom der WM, die  Zeit gekommen am Anfang der neuen Saison 2010\/2011 auf die Stra\u00dfe zu  gehen und zu zeigen, was uns Fankultur bedeutet und wert ist.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.area97.de\/ofi\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Berlin2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1884\" style=\"margin: 20px 0px; border: 1px solid black;\" title=\"Berlin2\" src=\"https:\/\/www.area97.de\/ofi\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Berlin2.jpg\" alt=\"Berlin2\" width=\"620\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.area97.de\/ofi\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Berlin2.jpg 620w, https:\/\/www.area97.de\/ofi\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Berlin2-300x84.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><br \/>\n<strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p><strong>Jetzt ist die Zeit, ein Zeichen zu setzen!<\/strong><\/p>\n<p>Wir wollen uns nicht nur beschweren, einklagen und fordern. Wir wollen  f\u00fcr die Fankultur, die wir leben, werben. Wir wollen auf die Stra\u00dfe  gehen und kundtun wie bunt, kreativ und vielseitig faszinierend  Fankultur ist. Wie viele Fangruppen engagieren sich neben dem Fu\u00dfball  f\u00fcr gesellschaftliche Belange? Wie viele zeichnen sich durch soziales  Engagement in ihrer Szene, ihrem Verein oder ihrer Stadt aus? Ist das  der \u00d6ffentlichkeit \u00fcberhaupt bekannt?<\/p>\n<p>Die Demo soll ein Zeichen  an alle Funktion\u00e4re und Fu\u00dfballbosse sein, das ihnen klar macht, dass  der Fu\u00dfball nur mit uns das ist, was alle fasziniert. Sie sollen merken,  was sie riskieren, wenn sie weiter den Kurs der Verdr\u00e4ngung unserer  Fankultur fahren. Es soll aber auch ein Zeichen sein an alle Fanszenen.  Uns allen muss klar werden, dass wir gemeinsam f\u00fcr unsere Fankultur  einstehen m\u00fcssen, wenn wir sie auch in der Zukunft noch leben wollen. Es  soll ein Zeichen f\u00fcr die Fanszenen sein, mehr \u00fcber ihr Dasein, ihr Tun  und ihr Lassen zu reflektieren. So viele Steine legen sich die Fanszenen  oftmals selbst in den Weg. Es wird Zeit zu diskutieren, aus Fehlern zu  lernen und selbst zu handeln, wenn wir unsere Fankultur erhalten wollen.<\/p>\n<p><strong>Warum eine Demo in Berlin?<\/strong><\/p>\n<p>Unter dem Motto &#8222;Zum Erhalt der Fankultur&#8220; fand bereits im Jahr 2002 in  Berlin eine gemeinsame Demonstration von Fans verschiedenster Vereine  statt und auch 2005 setzten die Fans mit einer farbenfrohen  Demonstration in Frankfurt ein ausdrucksstarkes Zeichen f\u00fcr den Erhalt  der Fankultur. Auch wenn sich seither viel in den Fankurven ver\u00e4ndert  hat und sich einige Problemfelder verlagert haben, sind die Themen und  grundlegenden Probleme bis heute die gleichen geblieben. In manchen  Bereichen konnten kleinere Fortschritte erreicht werden (z.B. teilweise  lokale Anh\u00f6rungsm\u00f6glichkeiten bei Stadionverbotsf\u00e4llen), in anderen hat  sich die Lage verschlimmert. Als Beispiel seien die Ansto\u00dfzeiten und  sp\u00e4te Terminierung genannt. Wir wollen mit dieser Demo den Bogen zur  Demo 2002 schlagen und das damals begonnene Engagement endlich zusammen  weiterf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Was sind heute im Jahre 2010 konkrete Probleme von Fu\u00dfballfans?<br \/>\nWas sind Gefahren f\u00fcr unsere Fankultur?<\/strong><br \/>\nMit der folgenden Auflistung geben wir Euch einen kleinen \u00dcberblick:<\/p>\n<p><strong>Einschr\u00e4nkung von Fanutensilien<\/strong><br \/>\nFahnen, Trommeln, Megaphone, Choreographien, Banner, unabh\u00e4ngige  Fanzines und viele andere Dinge sind Elemente von Fankultur, die ihre  Kreativit\u00e4t und Farbe ausmachen. Leider sind viele Fans, vor allem bei  Ausw\u00e4rtsspielen, in diesen essentiellen Punkten gro\u00dfen Restriktionen,  Einschr\u00e4nkungen und Verboten ausgesetzt. Diese beruhen aber so gut wie  nie auf realen Sachzw\u00e4ngen, sondern sind oftmals reine Schikane und  Machtdemonstration. Eine unabh\u00e4ngige und zu Eigenverantwortung bef\u00e4higte  Fankultur braucht aber Luft zum Atmen. So gab es in j\u00fcngerer  Vergangenheit auch schon Geldstrafen f\u00fcr Fans, die innerhalb ihrer  eigenen Fankurve Fahnen schwenkten, deren Stockl\u00e4ngen geringf\u00fcgig gr\u00f6\u00dfer  als die restriktiven Vorgaben der Stadionordnung waren. Oder es wurden  im Vorwege schriftlich erlaubte Fanutensilien am Eingang zum  Ausw\u00e4rtsblock spontan verboten.<\/p>\n<p><strong>Ansto\u00dfzeiten<\/strong><br \/>\nDie Terminierung der Spieltage ist das beste Beispiel daf\u00fcr, dass alle  anderen Interessen denen der Geldgeber, hier also der TV-Konzerne  untergeordnet werden. F\u00fcr die Fans wird es dadurch immer schwieriger  ihrer Mannschaft zu den Spielen zu folgen. Auch die sp\u00e4te Terminierung  der Spieltage f\u00fchrt immer wieder zu gro\u00dfen Problemen. Dass es nicht  sinnlos ist, f\u00fcr Belange wie Ansto\u00dfzeiten zu k\u00e4mpfen, zeigt ein Beispiel  der j\u00fcngeren Vergangenheit: Motiviert durch die internationale Aktion  f\u00fcr fangerechte Ansto\u00dfzeiten &#8222;Our game &#8211; our time&#8220;, verk\u00fcndete der  schwedische Fu\u00dfballverband eine \u00c4nderungsbereitschaft bei den  Ansto\u00dfzeiten!<br \/>\nWir haben aktuell eine Vielzahl an unterschiedlichen  Ansto\u00dfzeiten am Spieltag. An Regelspieltagen beginnen die Spiele allein  in den ersten beiden Bundesligen an folgenden Zeiten<br \/>\n&#8211; Freitag um 18 Uhr und 20:30 Uhr<br \/>\n&#8211; Samstag um 13 Uhr, 15:30 Uhr und 18:30 Uhr<br \/>\n&#8211; Sonntag um 13:30 Uhr, 15:30 Uhr und 17:30 Uhr<br \/>\n&#8211; Montag um 20:15 Uhr.<br \/>\nAn Spieltagen unter der Woche werden die Spiele ebenfalls fr\u00fchzeitig  angepfiffen, sodass selbst den Heimfans aufgrund der  Arbeitsverpflichtungen der Stadionbesuch erschwert bis unm\u00f6glich gemacht  wird. Und dieses setzt sich nat\u00fcrlich bis in die unteren Ligen fort.<br \/>\nGegen diese Spieltagszerst\u00fcckelung gab es im Vorfeld nat\u00fcrlich gro\u00dfe  Proteste. Nat\u00fcrlich wurde auf die W\u00fcnsche und Bedenken oder Argumente  der Fans seitens der DFL bei der Erstellung des neuen  Ansto\u00dfzeitenkonzepts keine R\u00fccksicht genommen und stattdessen die  Ansto\u00dfzeiten so gelegt, dass diese unter dem Motto &#8222;Exklusivit\u00e4t  steigert den Preis&#8220; optimal vermarktet werden konnten.<\/p>\n<p><strong>Kommerzialisierung<\/strong><br \/>\nWenn wir uns als Fans gegen die Kommerzialisierung des Fu\u00dfballs oder  &#8222;Gegen den modernen Fu\u00dfball&#8220; aussprechen, dann hei\u00dft das nicht, dass wir  uns vor Notwendigkeiten verschlie\u00dfen oder das Rad der Zeit zur\u00fcck  drehen wollen. Wir wehren uns aber gegen eine ma\u00dflose Entwicklung, die  alle anderen Interessen der Profitmaximierung unterordnet. Wir Fans sind  auch ein wichtiger Teil des Fu\u00dfballs, nicht mehr und nicht weniger! Und  ein Teil, den man nicht in ein paar Jahren durch Geld kompensieren  kann.<br \/>\nEs kann nicht sein, dass z. B. traditionsreiche Stadionnamen  wie das Westfalenstadion Dortmund oder das Waldstadion in Frankfurt an  Unternehmen verkauft werden oder die eigenen Vereinsfarben aufgrund<br \/>\nvon Marketingstrategien beliebig variiert werden. Wir, die Fans der  Vereine, verlieren dadurch wichtige Identifikationsmerkmale. Aber auch  die Vereine selbst und die Liga verlieren Alleinstellungs- und  Identifikationsmerkmale, die den eigenen Wiedererkennungswert mindern.  Im Augenblick des Verkaufs mag der Wert scheinbar gesteigert werden. Auf  die Dauer werden aus wertvollen, in weiten Teilen der \u00d6ffentlichkeit  mit dem jeweiligen Verein assoziierten Namen beliebig austauschbare  Begriffe, die keinerlei emotionale Bindung zulassen. Es kann nicht sein,  dass Vereine und Liga ihre Identit\u00e4ten f\u00fcr Jahre aufgeben wollen, nur  um einen weiteren \u00fcberteuerten Spieler f\u00fcr zwei Jahre finanzieren zu  k\u00f6nnen. Die finanziellen L\u00f6cher werden stetig weiter geschoben, die  Fanwarnungen vor den Folgen sollten endlich ernst genommen werden statt  stetig neue Vermarktungsoffensiven zu starten und damit den  Identit\u00e4tsverlust auf die Spitze zu treiben.<br \/>\nWeiterhin sprechen wir  uns konsequent f\u00fcr die Beibehaltung der &#8222;50+1&#8220;-Regel aus, welche besagt,  dass die Mehrheit der Vereinsanteile beim Verein selbst bleiben m\u00fcssen  und somit keine Investoren oder Unternehmen die komplette Kontrolle \u00fcber  die Fu\u00dfballvereine \u00fcbernehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nNegative Beispiele kennen wir  bereits aus \u00d6sterreich, wo das Unternehmen &#8222;Red Bull&#8220; die kompletten  Rechte am Verein Austria Salzburg erworben und anschlie\u00dfend die  komplette Identit\u00e4t ge\u00e4ndert hat. So wurde der Name in Red Bull Salzburg  und die Vereinsfarben von lila-wei\u00df in rot-blau ge\u00e4ndert, um einen  optimalen Markenauftritt sicherzustellen. Auch in Deutschland ist Red  Bull inzwischen t\u00e4tig geworden. Der Oberligaverein SSV Makranst\u00e4dt wurde  aufgekauft und umbenannt in &#8222;RasenBallsport Leipzig&#8220;. Mithilfe der  Millionen des Getr\u00e4nkekonzerns ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit  bis die selbsternannten &#8222;Roten Bullen&#8220; aus der &#8222;Red-Bull-Arena&#8220; (vormals  Zentralstadion) in Leipzig im deutschen Profifu\u00dfball zu finden sein  werden, wodurch dann eine traditionelle Mannschaft samt ihrer Fans von  der Bildfl\u00e4che verschwindet.<br \/>\nIn England sind viele Vereine nach der  \u00dcbernahme durch einen Investor nun hoch verschuldet. Und das ist leider  nicht die einzige Folge einer wahnwitzigen Kommerzialisierung, wenn man  sich z.B. die Ticketpreise anschaut (billigste Karte bei einigen  Partien: 80 Euro).<\/p>\n<p><strong>Stadionverbote<\/strong><br \/>\nStadionverbote werden meist schon bei Aufnahme eines Verfahrens, also  VOR dem Beweis der Schuld des Betroffenen, vergeben. Offiziell sind sie  eine Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme, die verhindern soll, dass jemand im Stadion  gewaltt\u00e4tig wird, de facto stellen sie eine Strafe dar. Auf der einen  Seite existieren Betroffene, die beweisen m\u00fcssen, dass sie unschuldig  sind, was w\u00e4hrend eines Ermittlungsverfahrens durch die Polizei sehr  schwer ist. Denn Informationen an Betroffene gibt diese selten und  ungern Preis. Ganz im Gegensatz zu ihrer Freiz\u00fcgigkeit bei der  Weitergabe von Halbwahrheiten an die Vereine oder den DFB. Auf der  anderen Seite sind vermehrt jugendliche Fans betroffen, die wegen  Lappalien aus dem Stadion und von ihren Freunden ausgesperrt werden.  Obwohl es theoretisch in den Richtlinien die M\u00f6glichkeit zu  Bew\u00e4hrungsauflagen gibt, wird leider nur selten davon Gebrauch gemacht.  Somit sind diese oftmals mit einer \u00fcberzogenen und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen  Strafe konfrontiert. Dadurch wird das Vertrauen in den Rechtsstaat und  auch die Gerechtigkeit allgemein ersch\u00fcttert und die Betroffenen werden  in nicht unerheblichen Ma\u00df kriminalisiert. Sie finden sich vor den  Stadiontoren wieder, wo ein von Fans und Polizei gleicherma\u00dfen  gepflegter gewaltt\u00e4tiger oder pseudo-gewaltt\u00e4tiger Habitus existent ist  und eine Alternative zur grauen Tristesse darstellt. Dass Gewalt schon  lange nicht mehr in den \u00fcberm\u00e4\u00dfig \u00fcberwachten Stadien stattfindet,  widerspricht ebenfalls der M\u00e4r vom pr\u00e4ventiven Charakter der  Stadionverbote. Stadionverbote vermindern nicht die Gewalt, sie sch\u00fcren  sie. Au\u00dferdem widersprechen Stadionverbote rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen  und sind keine L\u00f6sung f\u00fcr die Probleme des Fu\u00dfballs. Sie sind selbst  ein Problem.<\/p>\n<p><strong>Datei Gewaltt\u00e4ter Sport<\/strong><br \/>\nDie  Datei Gewaltt\u00e4ter Sport ist eine riesige Datensammlung von Fans,  unabh\u00e4ngig davon, ob sich diese etwas zu Schulden haben kommen lassen  oder nicht. So reicht es zum Beispiel eine einfache  Personalienfeststellung aus, um in die Datei aufgenommen zu werden. Der  eintragende Beamte muss nur annehmen, dass derjenige vielleicht  irgendwann auff\u00e4llig werden k\u00f6nnte. Diese Eintragung hat dann allerdings  einen ganzen Rattenschwanz an negativen Auswirkungen. So kann sie im  Extremfall Grundlage f\u00fcr Ausreiseverbote, Meldeauflagen, Stadtverbote  oder f\u00fcr so genannte Gef\u00e4hrderansprachen sein, bei denen Fans durch  Besuche durch Polizeibeamte zu Hause oder bei der Arbeit bewusst in  ihrem sozialen Umfeld blo\u00dfgestellt werden sollen. Wenn die  Bundesrepublik ein Sozialstaat sein will, widerspricht sie sich mit  diesem Verhalten. Anstatt die Verantwortung f\u00fcr scheinbare  &#8222;Problemf\u00e4lle&#8220; zu \u00fcbernehmen, wird diese weiter geschoben und mehr noch,  es wird durch solches Vorgehen daf\u00fcr gesorgt, dass betroffene Personen  nahezu g\u00e4nzlich aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Vor allem  stellt die Eintragung eine Stigmatisierung bei beispielsweise Grenz-  oder gew\u00f6hnlichen Verkehrskontrollen dar. Dabei muss man sich vor Augen  f\u00fchren, dass sie meist auf vagen Verdachtsmomenten und subjektiven  Einsch\u00e4tzungen beruht und man selber \u00fcber eine Eintragung nicht  informiert wird. Die Datei wurde auf dem Rechtsweg \u00fcber mehrere  Instanzen als unzul\u00e4ssig eingestuft und erst durch eine nachtr\u00e4gliche  Rechtsverordnung des Bundesrates am Tag der Urteilsverk\u00fcndung vor dem  Bundesverwaltungsgericht legitimiert. Dabei spricht es B\u00e4nde, dass eine  Debatte im Bundestag vermieden worden ist, um diese \u00c4nderung vor der  \u00d6ffentlichkeit zu verbergen. Mittlerweile sind \u00fcber 11.000 Personen in  der Datei gespeichert.<\/p>\n<p><strong>Polizeiliche Einsatztaktik<\/strong><br \/>\nDie Art und Weise, wie einzelne Beamte sich gegen\u00fcber Fans verhalten,  f\u00fchrt in der Regel zu Frustration, Aggression und Eskalation auf Seiten  der Fans. Diese Eskalation wird teilweise bewusst in Kauf genommen. Auch  die Einsatztaktik spiegelt oftmals den \u201eFu\u00dfballfan als Feindbild\u201c  wieder. Die Polizei schafft sich ihre Problemfans selber. Der Alltag der  Fans besteht besonders auf Ausw\u00e4rtsfahrten aber auch bei Heimspielen  aus engen Polizeikesseln, st\u00e4ndigen Kontrollen und Schikanen sowie  Aggressionen und Provokationen. Der Corpsgeist der Polizei sch\u00fctzt dabei  nicht nur dieses Vorgehen sondern auch Gewaltt\u00e4tigkeiten und \u00dcbergriffe  gegen Fans. Dass dies nicht nur unbegr\u00fcndete Vorw\u00fcrfe von Fu\u00dfballfans  selbst sind, kann man z.B. aus Berichten der Menschrechtsorganisation  Amnesty International entnehmen, die im Rahmen der Untersuchung von  unaufgekl\u00e4rten Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland, auch  Ausf\u00fchrungen \u00fcber rechtswidrige Gewalt von Polizisten bei Fu\u00dfballspielen  machen.<\/p>\n<p><strong>Wie wurde bislang mit diesen Themen umgegangen?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab Demos, lokale oder bundesweite Aktionen und vieles mehr. Und  seit einigen Jahren auch grunds\u00e4tzlich Gespr\u00e4che mit dem DFB und der  DFL. Viele dieser Probleme wurden auf dem so genannten &#8222;Leipziger  Fankongress&#8220; im Jahr 2007 thematisiert, der vom DFB ausgerichtet wurde.  Die Ergebnisse dieses Kongresses, die in den verschiedenen  Arbeitsgruppen entstanden sind, sollten in der darauf eingerichteten<br \/>\nso genannten &#8222;AG Fandialog&#8220; thematisiert werden. In dieser AG Fandialog  sa\u00dfen neben DFB und DFL ebenso Fanvertreter von ProFans, BAFF und  Unsere Kurve. Der Charakter dieser Veranstaltung spricht B\u00e4nde \u00fcber die  Art und Weise, wie mit den Faninteressen umgegangen wird. Zwar gab es  viele Lippenbekenntnisse, eine wirkliche Verbesserung trat in keinem der  genannten Problemfelder auf. Ein wirklicher Dialog zwischen  gleichberechtigten Gespr\u00e4chspartnern fand nicht statt. Vielmehr diente  die Veranstaltung anscheinend dazu, dass sich DFB und DFL als  gespr\u00e4chsbereit und fannah hinstellen konnten.<\/p>\n<p>Aber auch wir  Fans m\u00fcssen auf unserer Seite Vers\u00e4umnisse und Fehler einr\u00e4umen. Eine  jetzt einsetzende selbstkritische Diskussion \u00fcber die eigenen  Handlungsweisen h\u00e4tte schon viel fr\u00fcher einsetzen m\u00fcssen. Dies m\u00fcssen  wir ganz klar eingestehen. Parallel zu einer Diskussion \u00fcber die  erw\u00e4hnten Probleme, denen wir Fans ausgesetzt sind, muss jetzt innerhalb  der verschiedenen Fanszenen eine selbstkritische Reflexion der eigenen  Handlungsweisen stattfinden und Konsequenzen haben. Wir sind uns  bewusst, dass Freiheit auch Verantwortung mit sich bringt. Noch einmal:  Diese Demo soll auch ein Zeichen an uns Fanszenen sein!<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten betonen, dass wir weiter auf Dialog setzen wollen. Wir  sind ein Teil des Fu\u00dfballs und wollen, dass man uns zuh\u00f6rt und uns ernst  nimmt.<\/p>\n<p><strong>Die Demo ist erst der Anfang<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.area97.de\/ofi\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Berlin3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1891\" style=\"border: 1px solid black; margin: 10px;\" title=\"Berlin3\" src=\"https:\/\/www.area97.de\/ofi\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/Berlin3.jpg\" alt=\"Berlin3\" width=\"200\" height=\"283\" \/><\/a>Unser Vorhaben ist es, den Einsatz &#8222;Zum Erhalt der Fankultur&#8220; gemeinsam  fortzusetzen. Unter diesem Motto soll mit der Demo eine Kampagne ins  Leben gerufen werden, bei der jede Fan eingeladen ist mitzuwirken. Es  wird eine Internetseite eingerichtet auf der k\u00fcnftig \u00fcber s\u00e4mtliche  Beitr\u00e4ge und Aktionen f\u00fcr diese Kampagne berichtet wird, auf der ihr  Neuigkeiten im Einsatz f\u00fcr Fanrechte erfahren &#8211; und Euch als  Unterst\u00fctzter eintragen lassen k\u00f6nnt. Informiert Euch auf: <a href=\"http:\/\/www.erhalt-der-fankultur.de\/\">www.erhalt-der-fankultur.de<\/a>.  Macht mit bei k\u00fcnftigen Aktionen. Beteiligt euch an Diskussionen.  Berichtet in euren Fankurven davon. Erz\u00e4hlt davon in euren Familien und  bei euren Freunden. Lasst uns gemeinsam die Sache voranbringen.<\/p>\n<p><strong>KEIN KICK OHNE FANS! ZUM ERHALT DER FANKULTUR!<\/strong><\/p>\n<p>Kommt zur Demo am 09. Oktober 2010 um 13.00 Uhr auf den Alexanderplatz in Berlin!<br \/>\nDie Demonstration wird von Fans f\u00fcr Fans organisiert. Wir bitten Euch  um eine friedliche Teilnahme. Es sollte klar sein, dass \u00fcbertriebene  Feierei sowie sinnfreies oder beleidigendes Skandieren bei dieser  Veranstaltung fehl am Platz ist und unserem Anliegen schadet! Weiterhin  m\u00f6chten wir auf den antirassistischen Grundkonsens der Fanorganisationen  hinweisen, der nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Teilnahme an der Demo gilt.<br \/>\nWer sich daneben benimmt, wird von der Demo ausgeschlossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch aus Oldenburg werden wir gen Berlin reisen. Treffpunkt ist am Samstagmorgen um 4:45 am Hauptbahnhof Oldenburg. 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