Fankongress 2012 (Rückblick Teil 3)

Fankongress 2012 (Rückblick Teil 3)

Podiumsdiskussion: „Wir waren im Stadion und haben es überlebt“

Diese Podiumsdiskussion war die Hauptveranstaltung am Samstag. Hierzu waren ursprünglich auch Vertreter der Polizei als auch der ZIS (Zentrale Informationsstelle) geladen, welche beide jedoch nicht erscheinen konnten so dass die Diskussion letztlich größtenteils unter den Fans geführt werden musste.

fkZunächst wurde den Zuschauerinnen und Zuschauern die Zahlen der ZIS zur Saison 2010/11 präsentiert. Demzufolge gab es in der vergangenen Saison 17,5 Millionen Zuschauer in der 1. Und 2. Bundesliga, darunter 846 Verletzte sowie 5.818 Strafanzeigen. Dies ent­spricht einem Anteil von rund 0,005 Prozent beziehungsweise 0,033 Prozent. Matthias Stein vom Fanprojekt Jena machte deutlich, dass die Angaben der ZIS unzureichend sind und differenziert betrachtet werden müssen, denn in den Statistiken werden z.B. keinerlei Angaben darüber gemacht, wie viele Fans durch Pyrotechnik oder durch Polizeigewalt zu Schaden gekommen seien und wie viele der genannten Strafanzeigen letztlich wirklich zu einem Strafverfahren führten. Alexander Bosch von Amnesty International merkte diesbezüglich an, dass gerade hinsichtlich der Polizeigewalt nur mangelhafte Aufklärung betrieben werden würde. Fananwalt Stefan Minden ergänzte hierzu, dass die Polizei zur Zeit verschiedene Taktiken an Fans ausprobiere, welche später auch auf andere gesellschaftliche Bereiche angewendet werden könnten und Fußballfans für die Polizei insofern ein Testfeld darstellen würden. Weiterhin bedauerte er, dass sie die Teilnahme an dem Kongress seitens der Polizei kurzfristig wieder abgesagt wurde, denn hier in Berlin seien die Fans zum Dialog bereit gewesen. Zudem bedauerte ein Großteil der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass der DFB sowie die DFL lediglich Vertreter zum Kongress abordnete, welche nicht entscheidungsbefugt seien. Eine richtige Diskussion über zum eigentlichen Thema kam also nicht wirklich zustande- lediglich Thomas Schneider (Fanbeauftragter der DFL) versuchte, mit den Fans zu diskutieren – seine Aussagen führten jedoch zu einigen Missmut unter den Fans, da er ihnen mangelnde Selbstreflexion vorwarf. Im Großen und Ganzen war diese Veranstaltung somit wenig erfolgreich. (Böller & Jericho)

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Weiterführende Links:

http://www.amnestypolizei.de

http://www.polizei-nrw.de/lzpd/wir_ueber_uns/zis/article/jahresberichte-fussball.html

http://www.fanprojekt-jena.de/

http://www.fananwaelte.de